Warum abschaffen, was 80%
in der Grundschule
und 65% in der Sekundarschule wählen? Eine Stellungnahme des Vorstands der Religionslehrer im postprimären Unterricht. Bei der Diskussion, die die verschiedenen Schulreformen in den letzten Jahren begleitete, meldeten sich immer wieder Stimmen zu Wort, die diese Diskussion auf die Abschaffung des Religionsunterrichtes verengen wollen. Bei dieser Sicht der Dinge, die als pädagogischer Fortschritt gepriesen
wird, wird oftmals übersehen, was in einer pluralistischen, demokratischen
Gesellschaft nicht übersehen werden dürfte: Es gibt also einen Werteunterricht, der nicht religiös ausgerichtet
ist und als Alternative zum Religionsunterricht von jedem besucht werden
kann, der es möchte. Es drängt sich die Frage auf: Ist es gerade
diese Entscheidungsfreiheit, die manchen Verteidigern der Gewissensfreiheit
so viele Sorgen bereitet? Sind tausende von Schülern bzw. ihre Eltern
auf dem Holzweg? Wir leben in einem pluralistischen Staat, in dem viele gesellschaftlich
relevante Gruppen und Institutionen an dem Gestaltungsprozess unseres
Gemeinwesens und seiner Einrichtungen beteiligt sind. Dazu gehört
auch die Luxemburger Kirche. Eine abstrakte staatliche Neutralität
gibt es nicht, auch nicht in ethischen Fragen. Unsere Programminhalte werden in den, wie auch in andern Fächern üblich, staatlichen Programmkommissionen gestaltet und nicht vom Bistum, wie so manche glauben. Die Programme und das Selbstverständnis des Religionsunterrichtes sind auf der offiziellen Internetseite des Unterrichtsministeriums veröffentlicht und für jeden einzusehen unter www.men.lu. Außerdem: Wenn wir pluralistisch und multikulturell sein wollen,
dann sollten wir uns nicht fürchten, wenn Schüler einer anderen
Religionszugehörigkeit ihren Anspruch auf Religionsunterricht an
öffentlichen Schulen erheben. Rein organisatorisch ist das kein unüberwindbares
Problem. |