Jean-Louis Gindt,

professeur à
l'Athénée de Luxembourg

Die Dienste der Kirche in Luxemburg an den Jugendlichen

Situationsanalyse der Beziehungen zwischen Jugendlichen und Kirche unter Mgr. Jean Hengen und pastoraltheologischer Versuch eines Konzeptes für die kirchliche Arbeit unter Jugendlichen, 1991, 300 S. (3,11 MB)


ZUSAMMENFASSUNG

Die Beziehungen zwischen Jugendlichen und Kirche haben sich in den letzten Jahrzehnten stark verändert. Diese Veränderungen sind sowohl bedingt durch eine zunehmende gesellschaftliche Distanz und Indifferenz gegenüber Christsein und Kirchlichkeit als auch abhängig von dem ändernden Selbstbewußtsein der Kirche nach dem II. Vatikanischen Konzil. Diese Arbeit der Praktischen Theologie stellt sich der Herausforderung einer intensiven Betrachtung der Dienste der Kirche in Luxemburg an den Jugendlichen unter dem Episkopat von Mgr. Jean Hengen.

Im theoretischen Teil werden die wissenschaftlichen Erkenntnisse der Juventologie zum Status der Jugendlichen zusammengestellt. Aus der modernen Jugendforschung der Soziologie, der Psychologie und der Theologie läßt sich festhalten, daß es die Jugend als solche nicht gibt, wohl aber viele Jugendliche in unterschiedlichen Jugenden. Sie offenbaren oft die Unzulänglichkeiten der Erwachsenengeneration. Demnach muß die Zukunft offenbleiben, damit auch die Jugendlichen ein Recht auf eigene Zukunft haben. Persönlichkeitsentwicklung ist ein wesentliches Merkmal des Jugendalters. Ihr gilt besondere Aufmerksamkeit. Die heutige Jugendzeit wird hauptsächlich von der Schulzeit geprägt und steht in der Spannung zwischen der Attraktivität des jugendlichen Jetzt und einer hypothekierten Zukunft. Die religiöse Erziehung will den Menschen in seiner Entfaltung hin zu einer reifen und autonomen Religiosität in einer autonomen und reifen Persönlichkeit unterstützen. Eine solche Jugendpastoral gründet auf den biblischen Grundbegriffen Sinn, Freiheit, Liebe und Hoffnung.

Im empirischen Teil werden aus religionssoziologischer Perspektive die vielfältigen Beziehungen zwischen Jugendlichen und Kirche unter Mgr. Jean Hengen analysiert. Unter dem Aspekt der Kirchlichkeit wird die deutlich abnehmende Sakramentenpraxis der Jugendlichen beleuchtet. Die gesamte Auswertung einer persönlichen Beichtumfrage wird in einem Exkurs vorgestellt. Der Religionsunterricht bleibt, auch nach 20 Jahren Schulreform, die wichtigste Kontaktstelle zwischen Jugendlichen und Kirche. Ihm verdanken jährlich über 12000 SchülerInnen ihre religiöse und moralische Bildung. Im Freizeitbereich und Sozialbereich bieten die katholischen Vereinigungen wertvolle Unterstützung in der praktischen Persönlichkeitsbildung an und ermöglichen gelebten Glauben. Die pastoralen Höhepunkte, ob auf diözesaner oder regionaler Ebene, sind nicht aus der Jugendpastoral wegzudenken. Hier ist der Ort, an dem Jugendliche, in ihrem Suchen nach Sinn und Tasten nach Glauben, erleben, daß sie nicht allein sind und sich nicht verloren vorkommen müssen. Schließlich wird die Glaubenssituation der Jugendlichen dargestellt. Der Unterschied von heute zu früheren Zeiten besteht darin, daß die Trivialität des praktischen Atheismus und des religiösen Indifferentismus an die Stelle der Trivialität des Christentums getreten ist. Dennoch zeigen viele Jugendliche Aufgeschlossenheit für das Religiöse und intensives Ringen nach persönlichem und gelebtem Glauben. Will die Kirche den Jugendlichen in ihrem Christsein entgegenkommen, wird sie aufgefordert sein, ihre noch kranken Strukturen zu heilen.

Der pastoraltheologische Teil wird zuerst einen Überblick über die wichtigsten Impulse offizieller kirchlicher Dokumente wagen. Die Weltkirche sowie die Kirche in Luxemburg hat den Jugendlichen bereits eine besondere Aufmerksamkeit gewidmet, nicht um sie zu vereinnahmen, sondern um sie als Subjekte im Evangelisierungsprozeß ernstnehmen zu wollen. Anschließend wird ein Konzept der Jugendpastoral in Luxemburg vorgestellt, das ein Entwurf für die Gegenwart der Jugendpastoral sein will, damit die Zukunft offenbleibe. Als Kirche und in der Kirche werden die Jugendlichen zu einem Leben in "Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung" beitragen und so dem Kommen des Reiches Gottes entgegengehen.