Auszug aus der Newsletter der katholischen Kirche in Luxemburg
Service communication et presse 15. 03. 2004

ZUM FILM "DIE PASSION CHRISTI" VON MEL GIBSON

STELLUNGNAHME DER KATHOLISCHEN FILMKOMMISSION FÜR DEUTSCHLAND:
In Anlehnung an Passionsspiele, die den Stationen des Kreuzweges folgen, stellt der australische Regisseur Mel Gibson den Kreuzestod Jesu als Erlösungstat für die Menschheit dar. Seine theologische Konzeption, die den Opfertod in Zusammenhang mit der Eucharistie stellt, ist in Ansätzen durchaus ernst zu nehmen, obwohl der Film in Grundpositionen, aber vor allem in der Wahl seiner darstellerischen Mittel extrem problematisch erscheint: in seinem völlig überzogenen Wahrheitsanspruch, die Bibel authentisch wiedergeben zu wollen, im besessenen Ausmalen der Grausamkeiten von Geißelung und Kreuzigung, dem eklatanten Ungleichgewicht zwischen den Abscheu erweckenden Bildern der "Abschlachtung" und der auf einen minimalen Zitatenschatz geschrumpften Botschaft der Liebe. Heikel ist die Überzeichnung der Juden, die offen ist für eine Instrumentalisierung im Sinne antisemitischer Propaganda. Gibson mutet dem Publikum einiges an schwer aushaltbaren Bildern von Blut und Gewalt zu und lässt nicht nur Bibel unkundige Zuschauer eher ratlos zurück. Er kann allenfalls christlich-religiös beheimatete Zuschauer provozieren, in distanziert-kritischer Aufarbeitung des Films Fragen nach Sinn und Stellenwert des Erlösungsgeschehens von Jesu Tod und Leben im christlichen Glauben neu zu überdenken.


AUS DEM PRESSEBERICHT DES VORSITZENDEN DER DEUTSCHEN BISCHOFSKONFERENZ KARDINAL KARL LEHMANN (MAINZ) IM ANSCHLUSS AN DIE FRÜHJAHRS-VOLLVERSAMMLUNG DER DEUTSCHEN BISCHOFSKONFERENZ:
"Dieses filmische Passionsspiel spricht eine zentrale Frage des Glaubens an. Mit der drastischen Darstellung der Grausamkeiten verkürzt es jedoch auf problematische Weise die Botschaft der Bibel. Das kann vor allem bei einem Publikum, das mit dem christlichen Glauben nicht vertraut ist, zu Missverständnissen führen. Für ein besseres Verständnis des Films halten wir deshalb begleitende Angebote für notwendig. Mit ihrer Hilfe soll den Zuschauern die Möglichkeit gegeben werden, sich kritisch mit den aufgeworfenen Fragen und Problemen auseinander zu setzen.
Im Hinblick auf den Vorwurf, der Film sei antisemitisch, fällt den kirchlichen Gemeinden und ihren Priestern eine große Verantwortung zu: Das Evangelium vom Leiden, Sterben und Auferstehen Jesu Christi ist als Erlösungsbotschaft zu feiern, die nicht bestimmte Gruppen verurteilt. Daher ist es in jenem Geist des Respekts gegenüber dem jüdischen Volk und dem Judentum zu verkünden, der aus der Karfreitagsfürbitte für die Juden spricht: Gott "bewahre sie in der Treue zu seinem Bund und in der Liebe zu seinem Namen". Vor einer antisemitischen Instrumentalisierung des Leidens Jesu warnen wir eindringlich.

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