Gedanken zum Sinn des Advents

Es gibt einige „Schlüsselworte“, die uns den Sinn des Advents etwas aufschließen können, wie z.B. Warten, Kommen, Wachen, Weg, Umkehr, Wüste, Ruf, usw. Für mich ist am Anfang dieser Adventszeit das Wort „Kommen“ so ein Wort, welches mich anspornt meine christliche Zukunft neu und tiefer zu bedenken. Darüber hinaus ist dieses Wort ja sehr eng mit dem lateinischen Wort adventus, d.h. Ankunft (des Herrn Jesus Christus) verwandt und betrifft so jeden, der sich von der christlichen weihnachtlichen Vorbereitungszeit angesprochen fühlt.

Liturgischer Advent

Die Liturgie sieht den Sinn des Advents sowohl als Vorbereitungszeit auf Weihnachten wie als Erwartung der endzeitlichen Ankunft des Herrn. Näherhin unterscheidet sie zwei adventliche Phasen: die Zeit vom 17. bis zum 24. Dezember, welche in besonderer Weise auf die Feier des Weihnachtsfestes hingeordnet ist, und der vorausliegende Teil, in welchem wir uns jetzt befinden, und welcher mehr die eschatologische Wiederkunft zum Thema hat. Allerdings ist diese Unterscheidung nicht als starre Trennung zu verstehen, denn beide Aspekte durchdringen sich auch in diesen beiden Phasen.

Personaler und existentieller Advent

Diesen beiden Aspekten des Kommens Jesu Christi kann man einen dritten hinzufügen: Das Kommen des Herrn in unserer Zeit, sein uns begegnen in den Mitmenschen. Gerade einem personal und existentiell denkenden Christen wird dieser Aspekt des Advent nicht fehlen dürfen. Anna Six beschreibt treffend in Du stehst an der Grenze unserer Sicherheiten wie Jesus von Nazareth heute, jetzt und oft unerwartet an unserer Tür klopft und in unser Leben eintreten will. Er kommt und steht an der Grenze unserer Bequemlichkeit, unseres Individualismus und unserer Selbstzufriedenheit. Es fiele uns leicht, Ihn hereinzulassen, Ihn allein, wenn er nur nicht mit seinen Brüdern und Schwestern ankäme. Auf sie haben wir nicht gewartet, sie sind uns oft unangenehm, diese Armen, Gefangenen, Blinden und Zerschlagenen zu denen Jesus gesandt ist das Evangelium, die gute Nachricht zu bringen (Lk 4,18). Kranke, Obdachlose und Flüchtlinge sind für uns ein Problem wenn sie mitkommen. Vielleicht gehört aber gerade die Aufmerksamkeit für diese Kleinen zum „wachsam sein“ zu dem Jesus uns am 1. Adventssonntag (Mt 24,42) auffordert. Sind wir bereit sein Kommen anders zu erwarten als wir es uns vorgestellt und zurechtgelegt haben?

Advent und Weltjugendtage 2005 in Köln

Im August 2005 erwartet die Gastdiözese Luxemburg 700 Jugendliche zwischen 16 und 30 Jahren, um mit ihnen die Weltjugendtage in Köln vorzubereiten. Auch in diesem Sinn kann man Advent verstehen, als Kommen des Herrn in unseren jungen Glaubensbrüdern und -schwestern aus fremden Ländern. „Hospes venit, Christus venit“ lautet ein altes christliches Sprichwort. Sind wir bereit, Ihm und ihnen Unterkunft zu geben, uns ihnen aufzuschließen, sie über die Grenzen unserer Sicherheiten eintreten zu lassen? Die drei Sterndeuter haben ihre Sicherheit und ihr Land verlassen. Sie haben sich aktiv auf den Weg gemacht und sind Christus entgegengegangen: „Wir sind gekommen um Ihn anzubeten.“ (Mt 2,2), - so auch das Thema der Weltjugendtage 2005. Es soll uns nicht so gehen wie König Herodes und ganz Jerusalem die erschraken als sie vom Kommen des neugeborenen Königs der Juden hörten. Die drei Magier waren auf sein Kommen vorbereitet, sie ersehnten es und näherten sich Ihm indem sie Ihn anbeteten. Möge diese Adventszeit und das ganze kommende Jahr uns Christus näher bringen, er „der ist, der war und der kommt.“ (Offb 1,8)


Abbé Patrick Muller
Aumônier de la section des étudiants de l’ALUC