| (K)EIN EWIGES LEBEN? Osterpredigt von Pater Dr. Jean van Osch SMM, Pfarrer der
deutschsprachigen In einer Zeit, in der immer mehr europäische Länder ihre Modernität durch die Legalisierung aktiver Euthanasie unter Beweis zu stellen versuchen, kann man sich fragen, ob der Glaube an die Auferstehung in unseren Breiten noch „nötig“ ist! Wenn das irdische Leben nicht mehr als unverdientes Geschenk Gottes gilt, s e i n e Gabe und nur so m e i n e Aufgabe, dann kann jeder über sein Leben autonom verfügen, und also darüber entscheiden, wann und wie er es beendet. Wer aber das irdische Leben so autonom als seine persönliche Angelegenheit versteht, für die er schließlich nur für sich selbst Verantwortung zu tragen hat, der wird wohl wenig Wert darauf legen, dass da nach seinem Tod plötzlich ein Gott auftaucht, der dieses irdische Leben irgendwie verewigt. Der Tod - nicht länger der Feind des Lebens Gewiss hängt die Forderung nach Legalisierung der Euthanasie bei
uns auch damit zusammen, dass wir durchschnittlich so „unheimlich“
alt werden. „Früher lebten die Menschen 40 Jahre plus X - heute
nur noch 90 bis 100 Jahre!“ Dieser Spruch bringt auf den Punkt,
wie sich die Lebenseinstellung der Menschen verändert hat; auch bei
Christen, die aus vielleicht anderen Gründen mit der Auferstehung
nicht viel mehr anzufangen wissen. Es ist ein Genughaben am Leben, eine
Müdigkeit, die die Strapazen des Altwerdens satt hat. Da gilt der
Tod nicht mehr unbedingt als der letzte Feind des Lebens, sondern als
das natürliche Ende der Lebensuhr. In einer Zeit, da die meisten
Menschen in relativ jungen Jahren gestorben sind, war die christliche
Auferstehungsbotschaft eine große Quelle des Trostes. Heute, da
immer mehr Menschen im hohen Alter, oft nach langen Sterbeprozessen sterben,
erscheint der Tod vielfach wie eine Wohltat - wenn die Sinne schwächer
werden, die Interessen und das Gedächtnis schwinden und der alte
Mensch wieder zum hilflosen Kind wird. Wir erleben hier die letzten logischen (!) Konsequenzen einer Lebensanschauung, in der alles um das eigene, individuelle Ich dreht, das sich letztendlich nur sich selber verpflichtet fühlt, und vom anderen dann auch nicht mehr erwartet, als dass dieser auch so ichbezogen denkt. Aus der Gesellschaft als Solidargemeinschaft wird so die Summe einzelner Individuen... Lebenshoffnungen Die Menschen, denen wir das Zeugnis der Auferstehung zu verdanken haben,
waren bestimmt nicht solche Menschen, standen anders im Leben. Leben durch die Liebe Nur solchen lebendigen Menschen kann Gott aber noch ansprechen mit seiner
Botschaft vom Leben aus dem Tod in der Kraft der Liebe, die den irdischen
Tod besiegt. Gottes Liebe besiegt den Tod Die Auferstehung des Herrn nun offenbart, dass ein Leben, in dem die
Liebe zentral steht, wie bei Jesus, nicht am Kreuz sinnlos enden kann.
Als Liebestod bedeutet es seine Auferstehung: Gott - Vater, in dessen
Namen und Auftrag er sich als Mensch verwirklicht hat, also in der und
durch die Liebe, ließ ihn nicht aus seiner Liebe herausfallen. Und
dieses ‘Fallen in Gottes Liebe’ ist gleich bedeutend mit ewigem,
vollendetem Leben! Unter seiner Inspiration! Denn er wird ihnen, und allen, die auf Grund ihres Zeugnisses an seine Auferstehung glauben, lehren, dass „der Messias sterben mußte und so in seine Herrlichkeit eingehen“. Die vielen Durchkreuzungen des Lebens, wenn sie in Liebe zu Gott und den Menschen verarbeitet werden, können das Leben nur reicher machen, vor und nach dem irdischen Tod.
Das ist eine frohe Botschaft für alle Menschen, junge und alte,
vorausgesetzt sie wagen es zu glauben an das Leben als Geschenk, als Frucht
der Liebe und nicht als Produkt des Egoismus! Nein, sagen wir Christen. Denn der Herr ist wahrhaft auferstanden! |